Von 1964 bis 2007 erschienen in der Reformatio Kurt Martis
Notizen und Details, jene Rubrik, die viele Leserinnen und Leser
als erste aufschlugen, wenn sie das neue Heft in den Händen
hielten. Notizen, für den Tag geschrieben, folglich auch nicht
auf Vollständigkeit bedacht oder als Einheit konzipiert. Sie
setzen ein mit Bemerkungen zu kirchlichen Schnulzen und enden
mit einem Plädoyer für einen aufgeklärten Protestantismus.
Dazwischen 252, zwischen «niedrigen» und «hohen» Themen
oszillierende Kolumnen – Hinweise, Porträts, Aphorismen,
Polemiken auch, die zeugen von einem so aufmerksamen wie
engagierten, Widerspruch provozierenden Beobachter. Notizen
eben, an Details anknüpfend, keine systematischen Traktate, in
ihrer Gesamtheit jedoch ein grosses Panorama der letzten
Jahrzehnte, das hierzulande in seiner Vielfalt kaum seinesgleichen
hat: die Schweiz im Kalten Krieg und danach, Gerichtspsychiatrie
und Arbeitslosigkeit, das «Jahr der Frau» und die
Schattenarbeit; der Rechtsstaat und seine Bedrohungen, die
Atomenergie und die Ökologie; die Schweizer Literatur
und die Kulturschaffenden; und immer wieder die Theologie:
die Suche nach einem Verständnis Gottes und der Überwindung
eines fatalen Allmachtgedankens, die Neugier daher für die
Befreiungstheologie oder die feministische Theologie. Wer will,
findet darin eine Systematische Theologie in nuce, genau so wie
er in den Hinweisen zur Lyrik eine Poetik entdecken könnte.
Notizen und Details in einem Band, eine wunderbare Gelegen-heit
hin- und herzulesen, das Kommen und Gehen von Themen
und Fragen zu entdecken und oft genug ihrer bestürzenden
Gegenwart gewahr zu werden.
Die Vernissage wird von einer musikalischen Text-Collage mit Meret Matter, voice und Till Grünewald, sax umrahmt.
Anschliessend Kleiner Apéro
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